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Gemeinsame steuerliche Veranlagung auch nach der Trennung noch möglich

erschienen am 11.05.2011 in Basses Blatt

Ehegatten haben nach § 26 EStG die Wahl zwischen der getrennten Veranlagung und der Zusammenveranlagung. Bei der getrennten Veranlagung hat jeder Ehegatte seine eigene Einkommenssteuerschuld und erhält seinen eigenen Einkommenssteuerbescheid. Bei der Zusammenveranlagung werden die Einkommen der Eheleute zusammengerechnet und es gibt nur einen gemeinsamen Steuerbescheid.

Lassen sich die Eheleute gemeinsam zur Einkommensteuer veranlagen, kann der eine die Steuerklasse III, der andere die ungünstige Steuerklasse V wählen. Dies ist mitunter deshalb sinnvoll, weil damit schon vor Erlass eines Steuerbescheids der sog. Splittingvorteil realisiert werden kann. Unter Splittingvorteil versteht man, den Steuervorteil den sich gemeinsam zur Einkommensteuer veranlagende Eheleute dadurch erhalten, dass man so tut, als hätte jeder die Hälfte des gemeinsamen Einkommens erzielt. Dabei werden nämlich geringere Steuern fällig, weil die Steuerlast nicht gleichförmig steigt und beide Eheleute auch Steuerfreibeträge geltend machen können.

Nach einer Trennung gibt es oft Streit um die Veranlagungsform.  Der schlechter verdienende Ehegatte sieht zunächst keinen Grund mehr aufgrund der un­günstigen Steuerklasse ein niedrigeres monatliches Netto­einkommen zu erzielen. Er muss ja höhere Steuern bezahlen, als wenn er sich alleine zur Einkommensteuer veranlagen lassen würde. Nach der Trennung ist das Geld knapp. Monatlich mehr Geld wäre wünschenswert. Der besser verdienende Ehegatte möchte gerade jetzt keine niedrigeres Nettoeinkommen, weil meist die Ausgaben steigen (zwei Wohnungen etc.).

Die Ehegatten haben aber die Verpflichtung der Zu­sammenveranlagung zuzustimmen, wenn ein Ehegatte durch die Zusammenver­anlagung einen finanziellen Vorteil hat. Der zustimmende Ehegatte kann allerdings verlangen, dass ihm steuerliche Nachteile im Vergleich zur ge­trennten Veranlagung ausgeglichen werden.

Voraussetzung für die Zusammenveranlagung ist aber, dass die Ehegatten jedenfalls einen Tag in dem betreffenden Steuerjahr zusammen­­­­leben. Nach dem Gesetz dürfen Eheleute die sich gemeinsam veranlagen lassen wollen, in dem betreffenden Steuerjahr, nicht dauernd getrennt leben. Für das Jahr, in dem die Trennung stattfindet, ist eine gemeinsame Veranlagung aber unzweifelhaft zulässig und bei einer Gesamtbetrachtung auch wirtschaftlich günstiger.

Zahlt ein Ehegatte an den anderen Unterhalt , ohne dass eine gemeinsame Veranlagung möglich ist, so kann er bis zu einem Betrag von etwa 1.000,00 EUR monatlich, diese Zahlungen im Wege des sog. Realsplittings steuermindernd geltend machen, muss dann aber seinem Ehegatten, der dann die Unterhaltszahlungen wie eigenes Einkommen versteuern muss, die sich daraus ergebenden Nachteile ersetzen.

Insgesamt eine komplizierte Materie, die für den Laien kaum zu überblicken ist.

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