Eltern bestimmen den Umgang

erschienen am 20.07.2011 in Basses Blatt

Die 17-jährige Sandra hat in der Disko zwei junge Männer kennengelernt. Sie kann sich nicht recht entscheiden, welchen sie lieber mag. Da sie von Peter, mit dem sie verabredet war, versetzt wird, ruft sie Stefan an und trifft sich mit ihm. Als die Beziehung etwas intensiver wird, bekommen auch ihre Eltern etwas davon mit. Stefan mögen sie nicht. Sandras Vater verbietet ihr den Umgang. Stefan ist darüber sauer und trifft sich weiter mit Sandra. Entnervt wenden sich Sandras Eltern an Rechtsanwältin B. und fragen was sie tun können.

 

Rechtsanwältin B. verweist zunächst einmal auf die praktischen Schwierigkeiten, einem 17-jährigen Mädchen einen bestimmten Umgang vorschreiben zu wollen. Sandras Vater bleibt aber streng, er fürchtet – nicht ganz zu unrecht – einen schlechten Einfluss und besteht auf rechtlicher Prüfung und rechtlichem Tätigwerden.

Auftragsgemäß erteilt Rechtsanwältin B. Stefan zunächst ein Hausverbot und untersagt ihm den Umgang mit Sandra im Namen von deren Eltern. Das liegt auch in der Macht der Eltern, denn nach § 1632 Abs. 2 BGB umfasst die Personensorge ferner das Recht den Umgang des Kindes auch mit Wirkung für und gegen Dritte zu bestimmen. Natürlich muss dabei auf die Interessen des Kindes Rücksicht genommen werden, da aber Stefan gewalttätig ist – Rechtsanwältin B. hat einen Mandanten, der von Peter hinterrücks angegriffen und verletzt wurde – dürfte dies kein Ausschlusskriterium sein.

 

Sollte Stefan weiter den Kontakt mit Sandra suchen, könnten die Eltern vor dem Familiengericht einen Beschluss erwirken, mit dem Stefan Kontaktaufnahmen untersagt werden. Verstöße hiergegen könnten dann gerichtlich geahndet werden.

 

Ein entsprechender Beschluss könnte aber von Sandra, weil sie über 14 Jahre alt ist und sie in eigenen Rechtspositionen betroffen ist, im eigenen Namen mit der Beschwerde angegriffen werden.

Auf dieses Risiko weist Rechtsanwältin B. Sandras Eltern ausdrücklich hin und rät zu einer bloß erzieherischen Einflussnahme.

 

Fortsetzung folgt …

Zurück