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Das Wechselmodell und die Unterhaltspflicht

erschienen im Januar 2014 in Basses Blatt

Nach einer Trennung haben oft beide Elternteile das Bedürfnis die gemeinsamen Kinder in ihrem Haushalt betreuen zu können. Dies führt in jüngster Zeit häufiger dazu, dass getrenntlebende Eltern ein sogenanntes Wechselmodell praktizieren. Nach der Definition des Bundesgerichtshofes liegt ein echtes Wechselmodell vor, wenn die Eltern sich in der Betreuung ihres Kindes abwechseln, so dass jeder von ihnen die Hälfte der Versorgung und Erziehungsaufgaben wahrnimmt. In zeitlicher Hinsicht muss also eine hälftige Aufteilung des Aufenthalts der Kinder bei beiden Eltern gegeben sein, unabhängig davon, wie diese Aufteilung konkret erfolgt.

Entscheiden die Eltern sich für die Praktizierung des Wechselmodells, so hat dies Auswirkungen in unterhaltsrechtlicher Hinsicht. Die für das Familienrecht geltenden Normen im BGB kennen das Wechselmodell nämlich nicht.

Das Gesetz geht vom sogenannten Residenzmodell aus, wonach nach der Trennung der Eltern das Kind bei einem der Elternteile seinen hauptsächlichen Aufenthalt hat.
Zahlungspflichten aufgrund von Unterhaltsansprüchen treffen in diesem Fall in aller Regel das Elternteil, bei dem das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt nicht hat.

Die Praktizierung des Wechselmodells führt in vielen Fällen dazu, dass keiner der Elternteile an den anderen Unterhaltszahlungen für die gemeinsamen Kinder erbringen muss. Kommt es doch zu Meinungsverschiedenheiten darüber, wer welche Kosten des so genannten Barunterhalts, z.B. die Kosten der Kindertagesstätte, zu tragen. hat, so stellt sich die Frage, wer das Kind in einem Unterhaltsprozess vertreten soll.

In der Rechtsprechung wird vertreten, dass bei Praktizierung des Wechselmodells keiner der Elternteile das Kind vertreten kann.
Dieses Problem kann gelöst werden, indem der barunterhaltspflichtige Elternteil den anderen Elternteil bevollmächtigt, Barunterhalt für das Kind gegen sich selbst geltend zu machen.

Tipp: Sollten Sie sich in einer Trennungssituation befinden und sich mit Ihrem Partner auf ein Wechselmodell verständigen, so sollte auch die Unterhaltsfrage besprochen und nach Möglichkeit rechtsverbindlich schriftlich fixiert werden.

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