Das Gold der Toten!

erschienen am 10.10.2012 in Basses Blatt

Schaut man in die Zeitung, findet man oftmals Anzeigen, in denen es um den Ankauf von Altgold, speziell auch um Zahngold geht.

Das Zahngold Verstorbener gehört als mit dem Leichnam fest verbundener künstlicher Körperteil zu diesem und teilt während der Verbindung dessen Schicksal.

Dem menschlichen Leichnam und den mit ihm fest verbundenen Teilen wird noch heute herrschender Meinung Sachqualität zuerkannt. D.h. rechtlich handelt es sich bei einer Leiche um eine Sache. Allerdings eine Sache, die dem Rechtsverkehr entzogen ist, er ist insoweit nicht eigentumsfähig.

Das gilt auch für die im Leichnam verbliebenen künstlichen Körperteile, solange sie mit ihm fest verbunden sind.

Wird die Verbindung aber gelöst - beispielsweise bei der Feuerbestattung mit der Einäscherung oder bei der Erdbestattung durch den natürlichen Verwesungsprozess - so entsteht ab diesem Zeitpunkt eine bewegliche eigentumsfähige Sache, die zu diesem Zeitpunkt aber niemandem gehört und als herrenlos bezeichnet wird.

Grundsätzlich erwirbt das Eigentum an einer herrenlosen Sache derjenige, der die Sache mit Aneignungswillen in Besitz nimmt.

Dies gilt allerdings dann nicht, wenn die Aneignung gesetzlich verboten ist oder durch die Ergreifung das Aneignungsrecht eines anderen verletzt wird.

Nach vorzugswürdiger Auffassung besteht ein solches Aneignungsrecht für den Inhaber der Totenfürsorge.

Wer ist totenfürsorgeberechtigt?

Die Totenfürsorge obliegt nach Gewohnheitsrecht in erster Linie den nächsten Familienangehörigen und nicht etwa dem/den Erben.

Der Verstorbene kann aber zu Lebzeiten auch durch eine so genannte Bestattungsverfügung einen Totenfürsorgeberechtigten bestimmen und in diesem Rahmen auch anordnen, was mit künstlichen Körperteilen (Herzschrittmacher, Zahngold et cetera) im Falle der Bestattung geschehen soll.

Gibt es entsprechende Anordnungen nicht, sollte sich der Totenfürsorgeberechtigte daran orientieren, was dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen entspricht.

Tipp:

In jedem Fall sollte unterbunden werden, dass der Betreiber eines Krematoriums vorhandene Wertstoffe nach seinem Belieben verwertet und den Erlös für sich verwendet.

 

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