Bei vorsätzlicher Körperverletzung selbst Strafanzeige erstatten!

erschienen am 13.07.2011 in Basses Blatt

Peter (19 Jahre) lernt in der Disko die 17-jährige Sandra kennen. Ein hübsches Mädchen, für das er sofort entflammt. Da ist er aber nicht der Einzige, auch Stefan, ein 22 Jahre junger Mann interessiert sich für Sandra. Auf der Tanzfläche kommt es zu einer Rangelei, die zunächst ohne Folgen bleibt. Im Ergebnis bringt Peter Sandra nach Hause.
Wenige Tage später treffen sich Peter und Stefan zufällig im Supermarkt. Peter grinst Stefan an und macht eine dumme Bemerkung. Stefan, der ohnehin schon geladen war, rastet aus, greift eine Weinflasche und schlägt sie Peter von hinten auf den Kopf. Peter erleidet eine schwere Gehirnerschütterung und wird für eine Woche krank geschrieben. Der Vorfall wurde von der Videoüberwachung aufgezeichnet.
Peter begibt sich zu Rechtsanwältin B. und fragt, was er tun kann.

Rechtsanwältin B. rät Peter, den Stefan auf Schadensersatz in Anspruch zu nehmen.
In Peters Namen verfasst sie ein außergerichtliches Anspruchsschreiben und verlangt ein angemessenes Schmerzensgeld von 1.000,00 EUR. Auch rät sie Peter gegen Stefan Strafanzeige zu erstatten.
Rechtlich ist die Tat als gefährliche Körperverletzung einzustufen. Dieses Delikt ist anders als die einfache Körperverletzung von Amts wegen zu verfolgen, d.h. die Staatsanwaltschaft muss tätig werden und kann Peter nicht auf den Privatklageweg verweisen.
Kommt es jetzt zur Anklage könnte Peter seine Ansprüche im Rahmen des Strafverfahrens im Wege eines sog. Adhäsionsverfahrens geltend machen.
Die Kosten, die durch die Einschaltung von Rechtsanwältin B. für die Geltendmachung des Schmerzensgeldes entstehen, sind von dem Schadensersatzanspruch, den Peter hat, mitumfasst.
Sollte Stefan auf die außergerichtliche Zahlungsaufforderung nicht reagieren und auch das Strafverfahren noch nicht in eine Anklage gemündet haben, sollte Peter Klage erheben. Ohnehin sind Adhäsionsverfahren eher unüblich. Einen Vorteil birgt die Strafanzeige aber in jedem fall, den durch das Strafverfahren werden beweise gesichert, die auch im Zivilprozess nutzbar gemacht werden können, wie z.B. die Videoaufnahme. Die Strafakten können auch im Zivilverfahren beigezogen werden.
Allerdings wäre das Zivilgericht an ein Strafurteil nicht gebunden, muss also den Sachverhalt eigenständig bewerten.

Fortsetzung folgt …

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