Wer ist Vater eines Kindes?

erschienen am 12.01.2011 in Basses Blatt

Eine scheinbar einfache Frage, wird kompliziert.

Gemäß deutschem Recht ist derjenige Vater eines Kindes, der mit der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt verheiratet ist oder die Vaterschaft mit Zustimmung der Mutter anerkannt hat. Nach dem nationalen Recht kann es immer nur einen Vater geben, d.h. wenn eine verheiratete Frau das Kind eines anderen Mannes gebiert, gilt trotzdem ihr Ehemann als Vater. Nach einer aktuellen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, gilt dies in dieser Strenge nicht mehr.

Denn danach hat der biologische Vater, auch wenn er nicht der rechtliche Vater ist, das Recht sein Kind zu sehen. Dies gilt sogar dann, wenn er nach der Geburt keinen Kontakt zum Kind hatte.


Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sah das Grundrecht auf Privat- und Familienleben in folgendem Fall verletzt: Ein ausländischer Mann hatte zwei Jahre lang eine Beziehung zu einer verheirateten Frau, die mit ihrem Ehemann drei Kinder hatte. Nachdem die außereheliche Beziehung beendet war, brachte die Frau Zwillinge ihres Exfreundes zur Welt. Rechtlicher Vater der Zwillinge war der Ehemann. Die Eheleute lehnten die Bitten des biologischen Vaters, seine Kinder kennenzulernen, ab. Das Oberlandesgericht Karlsruhe gab ihnen Recht. Der biologische Vater habe keinerlei Verantwortung getragen und könne nicht als enge Bezugsperson gelten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschied hingegen, dass die Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe das Wohl der Kinder nicht berücksichtige.

Bisher hatte ein biologischer Vater, der die Vaterschaft nicht anerkannt hatte, keinerlei Rechte.

Der Gesetzgeber wird jetzt zwischen den Rechten des biologischen und des rechtlichen Vaters abwägen müssen. Die Gerichte werden die Interessen des Kindes genau prüfen müssen, wenn der Umgang mit dem biologischen Vater abgelehnt wird. Geprüft wird immer, ob der Umgang dem Kindeswohl entspricht. Ob es aber dem Wohl des Kindes dient, wenn der Ehebrecher, die Familienverhältnisse weiter beeinflusst, darüber wird man geteilter Auffassung sein dürfen.

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